Predigtreihe in der Fastenzeit

„Freudig bringe ich Dir mein Opfer dar“ (Ps 54,8)

Hochschulmessen an den Sonntagen der Fastenzeit 2020

 

1. Fastensonntag, 1. 3. 2020:

Verzichten, teilen, Opfer bringen – Grunddimensionen des Lebens

Orgel: Tim Störmer + Solist

 

2. Fastensonntag, 8. 3. 2020:

„Bringt rechte Opfer dar und vertraut auf den Herrn“ (Ps 4,6) -

Die Praxis des Opferns in Israel. Informationen von Prof. Dr. Angelika Strotmann (Uni Paderborn)

Musik: Leonie Wulf

 

3. Fastensonntag, 15.3. 2020:

„Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer“ (Mt 9,13) – Die Einstellung Jesu zum Opferkult seiner Zeit

Orgel: Tim Störmer

 

4. Fastensonntag, 22.3.2020:

Jesus – ein „makelloses Opferlamm“ (Hebr 9,14)? – Die umstrittene Deutung der

Lebenshingabe Jesu als Opfer für die Erlösung der Menschen

Orgel: Johannes Brinkmann

 

5. Fastensonntag, 29.3. 2020:

 „Bringt euch selbst als lebendiges und heiliges Opfer dar“ (Röm 12,1) -

Der Opfergedanke und heutige Formen der Frömmigkeit

Musik: Daniel Heiduk

 

6. Palmsonntag: 5.4. 2020:

Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“ (Joh 15, 13) – In den Spuren Jesu den aufopferungsvollen Weg der Hingabe gehen

Musik: Tim Störmer / Stefan Klug / Alex Kolka

 

Liebe Studierende

In unserer Alltagssprache wird das Wort „Opfer“ noch immer verwendet: In den Medien heißt es z.B.: „Der Verkehrsunfall forderte viele Todesopfer“, oder man spricht von den Opferlämmern, die die Politiker auf dem Altar ihrer Politik darbringen. Der Nobelpreisträger Mohammad Yunus verkündete jüngst: „Wir müssen Opfer bringen, um uns zu retten!“ In der Jugendsprache taucht es auch als Schimpfwort auf: „Du Opfer!“

Wie verhält es sich aber im religiösen Bereich? Ist die Rede vom Opfern und von dem einen Heilsopfer Jesu Christi noch verständlich zu machen? Dieser Frage wollen wir in den Hochschulmessen der Fastenzeit näher nachgehen.

Wir werfen einen Blick auf die Opferfrömmigkeit im alten Israel und fragen nach der Einstellung Jesu zum Opferkult seiner Zeit. In der Hl. Schrift wird Jesus selbst als „makelloses Opferlamm“ bezeichnet, das sein Leben zum Heil der Welt geopfert hat; die junge Kirche hat seinen Tod ganz selbstverständlich als Erlösungsopfer verstanden.

Kann diese Bildsprache für unseren Glauben heute noch Impulse freisetzen? Was ist mit den Bildern vom Opferlamm konkret gemeint? Die Fotos der Fotokünstlerin Herlinde Koelbl werden uns dabei begleiten. Alle Interessierten laden wir zu den Hochschulmessen herzlich ein!

Studierendenpfarrer Dr. Nils Petrat

Professor Dr. Josef Meyer zu Schlochtern

Herlinde Koelbl, Opfer

Im Jahre 1989 kam ich zum ersten Mal nach Sardinien. Ein karges Land voll spröder Schönheit. Hier gewann eine Stelle im Alten Testament plötzlich eine neue Bedeutung für mich: „Abel ward ein Schäfer, Kain aber ward ein Ackermann. Es begab sich aber nach etlichen Tagen, dass Kain dem Herrn Opfer brachte von den Früchten des Feldes. Und Abel brachte auch von den Erstlingen seiner Herde und von ihren Fetten. Und der Herr sah gnädiglich an Abel und sein Opfer, aber Kain und sein Opfer sah er nicht gnädiglich an…“ Abel war fähig, seine Gewalt zu überlisten und auf ein anderes Objekt, ein Tier anstatt auf einen Menschen zu richten.

Der Hirte trägt das Lamm in seinen Armen zum Töten. Die Beine sind gebunden. Und wieder klingt ein Bibelwort, diesmal aus dem Neuen Testament nach: Das Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird: Lamm Gottes, das du hinwegnimmst die Sünden der Welt.

Der Hirte vermag es, seine Ruhe auf das Tier zu übertragen. Dann der Schnitt in die Kehle des Tieres, ausgeführt  mit der elementaren Sicherheit jahrtausendealter Erfahrung. Ein Strom von Blut fließt in die Erde. Das Tier wird an einem Baum aufgehängt. Letztes Blut tropft zu Boden. …

Das Messer wurde verwendet, um das Tier zu töten. Es wird nicht mehr verwendet, um das Fleisch zu schneiden. Der Hirte reißt es mit den Händen auseinander und teilt es aus. So wie im Neuen Testament der Herr das Brot brach und seinen Jüngern gab. Solch ein Mahl mit dem Ritual des Teilens stiftet eine Zusammengehörigkeit, die zutiefst befriedet. Das Ritual ist Brücke zwischen Gestern und Heute, es weist über den schlichten Gehalt der Handlung hinaus.“ 

[Die Fotos von der Schlachtung der Lämmer stammen aus der Serie „Opfer“ der Fotokünstlerin Herlinde Koelbl. (Opfer. Ein Zyklus von Herlinde Koelbl. Mit einem Essay von René Girard, Edition Braus, Heidelberg 1996)]