Predigtreihe in der Fastenzeit

LEIDER FALLEN ALE GOTTESDIENSTE AUS! Aber zum Nachlesen jetzt online :)

„Freudig bringe ich Dir mein Opfer dar“ (Ps 54,8)

Hochschulmessen an den Sonntagen der Fastenzeit 2020

1. Fastensonntag, 1. 3. 2020:

Verzichten, teilen, Opfer bringen – Grunddimensionen des Lebens

Orgel: Tim Störmer + Bratsche: Lena Thiesbrummel

 

2. Fastensonntag, 8. 3. 2020:

„Bringt rechte Opfer dar und vertraut auf den Herrn“ (Ps 4,6) -

Die Praxis des Opferns in Israel. Informationen von Prof. Dr. Angelika Strotmann (Uni Paderborn) Opferverständnis AT - Predigt.docx

Musik: Leonie Wulf

 

3. Fastensonntag, 15.3. 2020:

„Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer“ (Mt 9,13) – Die Einstellung Jesu zum Opferkult seiner Zeit 3. Fastensonntag Jesus und das Thema Opfern.doc

Orgel: Tim Störmer

Liebe Studierende,

aufgrund der allgemeinen Vorsichtsmaßnahmen können wir bis auf Weiteres keine gemeinsamen Hochschulmessen mehr feiern. Damit ist auch die Reihe unserer Fastenpredigten abgebrochen, bei denen uns die Fotos der sterbenden Lämmer von H. Koelbl Denkanstöße geben sollten. Aber im Ansatz haben wir das christliche Opferverständnis schon darstellen können: Opfern baut auf den allgemein menschlichen Vollzügen des Verzichtens und Teilens auf und stiftet damit Gemeinschaft zwischen den Menschen. Am 2. Fastensonntag hat Frau Prof. Strotmann dargelegt, dass es bei den verschiedenen Arten des Opferns in Israel darum geht, in der Form des gemeinsamen Opfermahls mit Gott und den Menschen in Beziehung zu treten. Jesus kritisiert die Opferpraxis seiner Zeit, wo dieser tiefere Sinn des Opferns nicht mehr im Blick ist.

An den kommenden Sonntagen hätten wir darüber gesprochen, in welchem Sinn Jesus durch sein Lebensopfer die gestörte Beziehung zwischen Gott und den Menschen wiederherstellt. Dem sollten dann einige Gedanken folgen, wie dieser Opfergedanke Impulse für unsere persönliche Frömmigkeit freisetzen kann. Am Palmsonntag sollte alles mit Hinweisen zum „aufopferungsvollen Weg der Hingabe“ zusammengefasst werden.

Das ist jetzt nicht mehr möglich, aber nach unserer Meinung sind schon einige Impulse und Anstöße formuliert – gerade jetzt, wo die Menschen auf gegenseitige Hilfe angewiesen und zu Opfern herausgefordert sind.

Die Predigt von Frau Prof. Strotmann drucken wir im Folgenden ab. Wer interessiert ist, findet noch weitere Informationen in ihrem Artikel:

Strotmann, Angelika: Zu Opferterminologie und Opferverständnis in der hebräischen Bibel, in: Strotmann, Angelika/Eke, Norbert Otto (Hg.): Davidfigur und Opfermotiv. Jüdisch-christliche Transformationen, Paderborn 2019, 167-200

Mit vielen Grüßen und guten Wünschen für Eure Gesundheit,

Eure Nils Petrat
Josef Meyer zu Schlochtern

Herlinde Koelbl, Opfer

Im Jahre 1989 kam ich zum ersten Mal nach Sardinien. Ein karges Land voll spröder Schönheit. Hier gewann eine Stelle im Alten Testament plötzlich eine neue Bedeutung für mich: „Abel ward ein Schäfer, Kain aber ward ein Ackermann. Es begab sich aber nach etlichen Tagen, dass Kain dem Herrn Opfer brachte von den Früchten des Feldes. Und Abel brachte auch von den Erstlingen seiner Herde und von ihren Fetten. Und der Herr sah gnädiglich an Abel und sein Opfer, aber Kain und sein Opfer sah er nicht gnädiglich an…“ Abel war fähig, seine Gewalt zu überlisten und auf ein anderes Objekt, ein Tier anstatt auf einen Menschen zu richten.

Der Hirte trägt das Lamm in seinen Armen zum Töten. Die Beine sind gebunden. Und wieder klingt ein Bibelwort, diesmal aus dem Neuen Testament nach: Das Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird: Lamm Gottes, das du hinwegnimmst die Sünden der Welt.

Der Hirte vermag es, seine Ruhe auf das Tier zu übertragen. Dann der Schnitt in die Kehle des Tieres, ausgeführt  mit der elementaren Sicherheit jahrtausendealter Erfahrung. Ein Strom von Blut fließt in die Erde. Das Tier wird an einem Baum aufgehängt. Letztes Blut tropft zu Boden. …

Das Messer wurde verwendet, um das Tier zu töten. Es wird nicht mehr verwendet, um das Fleisch zu schneiden. Der Hirte reißt es mit den Händen auseinander und teilt es aus. So wie im Neuen Testament der Herr das Brot brach und seinen Jüngern gab. Solch ein Mahl mit dem Ritual des Teilens stiftet eine Zusammengehörigkeit, die zutiefst befriedet. Das Ritual ist Brücke zwischen Gestern und Heute, es weist über den schlichten Gehalt der Handlung hinaus.“ 

[Die Fotos von der Schlachtung der Lämmer stammen aus der Serie „Opfer“ der Fotokünstlerin Herlinde Koelbl. (Opfer. Ein Zyklus von Herlinde Koelbl. Mit einem Essay von René Girard, Edition Braus, Heidelberg 1996)]